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Wenn sich Schüler/innen in Workshops mit Künstlerinnen und Künstlern sowie Vermittlerinnen und Vermittlern kreativ auszudrücken lernen, löst das ganz nebenbei noch viele andere Prozesse aus, die dem Lernen und der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen zugutekommen.

Artikel

 30 Jahre KKA

Lernen durch Kunst und Kultur


Wenn sich Schüler/innen in Workshops mit Künstlerinnen und Künstlern sowie Vermittlerinnen und Vermittlern kreativ auszudrücken lernen, löst das ganz nebenbei noch viele andere Prozesse aus, die dem Lernen und der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen zugutekommen. KKA unterstützt diesen Austausch seit über 30 Jahren mit verschiedenen Förderprogrammen. Stets steht der gemeinsame Arbeitsprozess im Vordergrund, was nicht ausschließt, dass am Ende ein vorzeigbares Produkt oder eine Aufführung steht.

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Da entsteht ein sichtbares und fühlbares Wir-Gefühl

Im Gespräch mit Claudia Mohr, sie unterrichtet einen Alphabetisierungskurs mit Sprachförderung an einer Wiener NMS, und Evelyn Blumenau sowie Walter Kreuz (beide Künstler/innengruppe gecko art), die seit langem (mehrsprachige) Radioworkshops sowie Projekte an der Schnittstelle Audio/Sprache/Text durchführen.

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KKA: Welche Erfahrungen haben Sie mit impulsgebenden Kulturvermittlungsworkshops als Lehrerin gemacht?

Claudia Mohr: Ich kann mich als Lehrerin zurücknehmen, aber ich bleibe trotzdem in meiner Verantwortung für die Kinder. Jemand von außen hat eine andere Autorität und die Kinder sind aufmerksamer. Ich kann als Generalistin zwar vieles, aber ich bin kein Profi in all den Kunstsparten. Die Künstlerinnen und Künstler haben da mehr Joker auf ihrer Seite, inklusive ihrer Kompetenz, wegen derer ich sie ja einlade.

KKA: Wie geht es Ihnen, den Kulturschaffenden, wenn Sie sich mit den Kindern auseinandersetzen?

Walter Kreuz: Wir sind uns bewusst, dass wir als Gäste an die Schule kommen. Wir versuchen, auf eine neutrale Energie-Position zu kommen, d.h. kein Leistungsdruck, keine Prüfungssituation, so können wir sehr viel erreichen. Wir verändern an der Schule vieles, werfen manch Eingeführtes um, halten uns manchmal nicht an die Pausenzeiten usw. Gleichzeitig sind wir der Kritik der Kinder ausgesetzt, die unmittelbar und oft schonungslos geäußert wird.

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KKA: Was können die Kinder in einem Radioworkshop für den „normalen“ Unterricht lernen?

Claudia Mohr: Wenn man das Interesse der Kinder weckt, nehmen sie viel mit. Sie können ihre Erstsprache anwenden und kommen dabei ins Deutschreden, was ihnen ja eigentlich schwerfällt. Sie bekommen professionelle Arbeit mit, wenn sie im Studio sitzen, ins Mikrofon sprechen und sehen, wie das Material dann geschnitten wird. Das sind Erfahrungswerte, das ist ein Lernzuwachs, der mit nichts zu bezahlen ist. Das ist Lernen durch Kunst und Kultur.

KKA: Welche (Lern)prozesse werden ausgelöst, wenn ein Künstler oder eine Künstlerin einen Workshop mit Ihren Schülerinnen und Schülern durchführt?

Claudia Mohr: Durch das künstlerische Arbeiten bekommt man so einen weiten Horizont! Beim Anfertigen von Kunstgegenständen wird die Feinmotorik trainiert, mit der Radiosendung die Sprechwerkzeuge, aber auch das Verständnis für Technik. In Origami steckt Mathematik und Geometrie. Sprache und Wortschatz kommen dann einfach „wie nebenher“ dazu.

Evelyn Blumenau: Es tut allen gut, Zusammenhänge zu erkennen. Da geht es Kindern wie Erwachsenen. Z.B. wenn ein Kind an seiner Sprache arbeitet und einen Beitrag von Anfang bis zum Ende gestaltet hat. Wir unterstützen, helfen beim Strukturieren, geben Feedback. Dabei entstehen ungeahnte Synergien.

KKA: Welche Auswirkungen hat künstlerische Projektarbeit auf die Klassengemeinschaft?

Claudia Mohr: Die Kinder lernen viel über ihre Mitschülerinnen und Mitschüler: die kann schreiben, der kann gut sprechen und der liefert die Ideen. Das tut dem sozialen Klima unglaublich gut, in dieses gemeinsame Tun für ein gemeinsames Produkt zu kommen und sich einander mit Wertschätzung zu begegnen. Da entsteht ein sichtbares und fühlbares Wir-Gefühl.

KKA: Vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte KKA/Marie-Therese Rudolph.

www.geckoart.at
www.erzaehl-art.at

Fotos: © wanderklasse, Claudia Mohr, gecko art



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