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Mit dem Ziel, „das Recht von Menschen mit Behinderung auf Bildung […] ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen“ (UN-Behindertenrechtskonvention, Art.24) begleitet KulturKontakt Austria seit 2005 die Republik Moldau auf dem Weg zur inklusiven Schule. Von der Sonderschule zum inklusiven Bildungssystem – eine Erfolgsgeschichte.Den Anfang machte das Theater. Mit dem Projekt „Drama in Education“ wurden ab 2005 die ersten Kontakte zu vier moldauischen Sonderschulen aufgebaut. In Workshops mit österreichischen Pädagoginnen wurde ein einfaches methodisches Angebot für kreatives Arbeiten mit Kindern in den Bereichen bildnerisches Gestalten und Theater gemeinsam erarbeitet. „Die Kinder in ihrer Kreativität dort abholen, wo sie mit ihren Fähigkeiten stehen“ wurde zum Leitbild für das Projekt „SEN – Gemeinsam leben, gemeinsam lernen“.SEN erstreckte sich auf e

Artikel

 30 Jahre KKA

Gemeinsam lernen, gemeinsam leben
Auf dem Weg zur inklusiven Schule in der Republik Moldau


Mit dem Ziel, „das Recht von Menschen mit Behinderung auf Bildung […] ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen“ (UN-Behindertenrechtskonvention, Art.24) begleitet KulturKontakt Austria seit 2005 die Republik Moldau auf dem Weg zur inklusiven Schule. Von der Sonderschule zum inklusiven Bildungssystem – eine Erfolgsgeschichte.

Den Anfang machte das Theater. Mit dem Projekt „Drama in Education“ wurden ab 2005 die ersten Kontakte zu vier moldauischen Sonderschulen aufgebaut. In Workshops mit österreichischen Pädagoginnen wurde ein einfaches methodisches Angebot für kreatives Arbeiten mit Kindern in den Bereichen bildnerisches Gestalten und Theater gemeinsam erarbeitet. „Die Kinder in ihrer Kreativität dort abholen, wo sie mit ihren Fähigkeiten stehen“ wurde zum Leitbild für das Projekt „SEN – Gemeinsam leben, gemeinsam lernen“.

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SEN erstreckte sich auf einen Zeitraum von zehn Jahren. Von 2008 bis 2018 wurde die Gruppe der ursprünglich vier Pilotschulen sukzessive erweitert. In Kooperation mit der Schweizer Pestalozzi-Stiftung und der lokalen NGO Speranta Center wurden pädagogisch-methodische Themen wie innere Differenzierung, Inklusion, soziales Lernen und die damit verbundenen praktischen Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht an den Pilotschulen vermittelt. Inklusive Bildung als Unterrichtsprinzip und Element der Schulkultur wurde als Leitbild an den Schulen etabliert und diese wurden miteinander vernetzt.

Mit der Erweiterung der Gruppe der Pilotschulen wurde auch das Themenfeld erweitert. Die anfangs einführenden Weiterbildungen wurden über die Jahre konkretisiert, die Inklusion von Kindern mit Sehbehinderung, Hörschädigung und Autismus im Unterricht geschult. Lehr- und Lernmaterialien zum Thema wurden in einer Kooperation von österreichischen und moldauischen Expertinnen und Experten in rumänischer Sprache erarbeitet und allen allgemeinbildenden Schulen und pädagogischen Bibliotheken in der Republik Moldau zur Verfügung gestellt.

(c)KulturKontakt Austria

Auch auf ministerieller Ebene war und ist KulturKontakt Austria aktiv und hat die Erarbeitung des „Programms für die Entwicklung von inklusiver Bildung 2011-2020“ maßgeblich unterstützt. Mit dem Programm wurde ein Meilenstein gesetzt. Die darin vorgesehene Schließung der Sonderschulen wurde ab 2012 umgesetzt und damit die Voraussetzung für ein echtes inklusives Bildungssystem in der Republik Moldau geschaffen.

Eine weitere strukturelle Änderung die durch das „Programm für die Entwicklung von inklusiver Bildung 2011-2020“ ab 2012 ermöglicht wurde, war die Einführung der psychopädagogischen Assistenzzentren zur Stärkung des inklusiven Bildungssystems. In jedem der 35 Bezirke Moldaus wurde ein Assistenzzentrum etabliert, in dem Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, Psychologinnen und Psychologen, Logopädinnen und Logopäden und Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten die Schulen in der Region unterstützen. Mit dem Nationalen Zentrum für Psychopädagogische Assistenz (CRAP) wurde darüber hinaus eine zentrale koordinierende Stelle für die 35 Assistenzzentren in den Regionen geschaffen, die mit Weiterbildungen und regelmäßigen Evaluationen Qualitätssicherung sowie die Weiterentwicklung der Institutionen und ihrer Mitarbeiter/innen sicherstellt. Von der Einführung der Assistenzzentren und CRAP bis heute wurden die Institutionen im Aufbau und der Weiterentwicklung ihrer Kapazitäten durch österreichische Expertise und Beratungsleistung aktiv unterstützt. Heute werden über 1200 allgemeinbildende Schulen in der Republik Moldau in der Umsetzung inklusiver Bildung im Unterricht durch CRAP und die Assistenzzentren gefördert.

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In einer Laufzeit von zehn Jahren, mit über 200 Projektteilnehmerinnen und Projekteilnehmern an 6 Pilotschulen, 5 NGOs, 35 Assistenzzentren und dem Nationalen Zentrum für Psychopädagogische Assistenz konnte mit österreichischer Unterstützung ein nachhaltiger Wandel von Sonderschulen hin zu inklusiver Bildung vollzogen werden. Durch die Unterstützung des Aufbaus funktionierender inklusiver Strukturen im moldauischen Bildungswesen wurde ein System geschaffen, welches Vorbildwirkung für die Region und darüber hinaus hat.

Seit 2018 geht KulturKontakt Austria einen Schritt weiter und unterstützt die Entwicklung eines inklusiven Berufsschulwesens in der Republik Moldau. Im Projekt I-VET werden die didaktischen Fähigkeiten der Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer gefördert und die Systementwicklung mit österreichischer Expertise unterstützt. Für Herbst 2019 ist die Einführung von Teilqualifizierung in der Berufsbildung geplant. Ein inklusiver Leitfaden und ein inklusives Weiterbildungsangebot in der Berufsbildung werden derzeit in moldauisch-österreichischer Kooperation erarbeitet. Die frühe Verankerung von Berufsorientierung und Berufsberatung für Jugendliche mit Special Educational Needs bereits am Übergang zwischen Allgemeinbildung und Berufsbildung ist ein zentrales Anliegen der aktuellen Projektphase, um eine individuelle Laufbahnplanung zu ermöglichen und den Einstieg ins künftige Arbeitsleben frühzeitig zu unterstützen.

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Durch die Offenheit und das Commitment des moldauischen Bildungsministeriums wurde der Prozess von der Sonderschule zur inklusiven Bildung ermöglicht und durch die gute Kooperation mit dem Nationalen Zentrum und den Psychopädagogischen Assistenzzentren gefördert. So wird durch die Inklusion in der Schule, die Inklusion im Arbeitsleben und im Alltag ermöglicht. Und so steht „gemeinsam lernen, gemeinsam leben“ für gesellschaftliche Inklusion mit Vorbildwirkung – weit über die Grenzen der Republik Moldau hinaus.

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Elisa Deutschmann
Österreichische Beauftragte für Bildungskooperation
KKA-Projektbüro Chişinău (zuständig für die Republik Moldau)

www.kulturkontakt.or.at/moldova



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Republik Moldau

Gemeinsam mit dem moldauischen Bildungsministerium und Organisationen vor Ort führt KKA Projekte in den Schwerpunktbereichen Berufsbildung (Landwirtschaft, Wirtschaft) und inklusive Bildung durch.

Statements Inklusive Bildung Moldau

Statements von Virginia Rusnac, Alexandru Ciobanu und Malvina Copetinschi