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Im Rahmen der ersten rumänischen EU-Ratspräsidentschaft traf sich das Netzwerk der Sektionsleiter/innen für Berufsbildung (DGVET).

Artikel

 30 Jahre KKA

Wie kann Entrepreneurship-Kompetenz nachhaltig in der Berufsbildung vermittelt werden?


Im Rahmen der ersten rumänischen EU-Ratspräsidentschaft traf sich das Netzwerk der Sektionsleiter/innen für Berufsbildung (DGVET) am 17. und 19. März in Albia Iula in Rumänien zum Thema „Exzellenz und Schlüsselkompetenzen in der Berufsbildung“. Wie können digitale und transversale Kompetenzen sowie Entrepreneurship in der Berufsbildung erfolgreich vermittelt werden? Wo liegen die spezifischen Kompetenzbedarfe in der Berufsbildung und welche neuen Lehr-/Lernsettings braucht es?

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Das rumänische „Good Practice“-Beispiel in der Arbeitsgruppe „Entrepreneurship- Kompetenz“ wurde von Ruxandra Stănescu und Alina Mihaela Predețeanu, zwei Schülerinnen der Handelsakademie Nicolai Kretzulescue in Bukarest, präsentiert. In ihrem Input gingen sie der Frage nach, was aus Sicht von Schülerinnen und Schülern in der Vermittlung von Entrepreneurship-Kompetenz wichtig ist. Das Lernsetting, das sie beschrieben, ist die „Übungsfirma“. „Übungsfirmen“ vermitteln den Jugendlichen in der Schule praxisnah unternehmerisches Denken. Von der Entwicklung einer Geschäftsidee, Marktanalysen, der Erarbeitung eines Businessplans bis hin zur Etablierung einer Firma und schließlich dem Betreiben einer Firma werden die Abläufe eines realen Wirtschaftsbetriebes simuliert und trainiert. In unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen Fächern erworbenes Wissen wird vernetzt und problemlösungsorientiert eingesetzt. Daneben werden Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Selbständigkeit, Eigeninitiative und Entscheidungsfreude, Flexibilität sowie interkulturelle Sensibilität gefördert. Die Lehrerin bzw. der Lehrer ist im Übungsfirmenunterricht Coach. Die Schüler/innen sind es, die die Firma eigenverantwortlich managen. Gerade diese Aspekte, d.h. ein praxisnahes Lernsetting, das Freiraum bietet, Eigeninitiative zu entwickeln und im Team an Lösungen zu arbeiten, wurden von Alina und Ruxandra als wichtige Erfolgsfaktoren für ihren Erwerb von Entrepreneurship-Kompetenz hervorgehoben.

Österreich und Rumänien verbindet die weite Verbreitung des Übungsfirmenunterrichts an Berufsbildenden Schulen. Die Einführung von Übungsfirmenunterricht in Rumänien war auch einer der ersten großen Kooperationsschwerpunkte in der Berufsbildung zwischen Österreich und Rumänien nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.

Mit ECO NET[1] unterstützte KulturKontakt Austria die Einführung des Übungsfirmenunterrichts und von Entrepreneurship Learning nicht nur in Rumänien, sondern an Berufsbildenden Schulen in allen Ländern Südosteuropas: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Moldau, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien und Serbien. Im Zeitraum von 2001 bis 2013 wurden in Kooperation mit den zuständigen Bildungsministerien, Agenturen für Berufsbildung und Schulen sowie ACT, der österreichischen ÜFA-Zentrale, und einem Team österreichischer Expertinnen und Experten mehr als 300 Übungsfirmen-Leiter/innen und über 30 Lehrerfortbildner/innen ausgebildet und rund 1600 Übungsfirmen an mehr als 330 Schulen gegründet. Die Verankerung des Übungsfirmenunterrichts in den Curricula wurde gemeinsam erarbeitet und die Etablierung von Übungsfirmen-Zentralen zur Koordination der nationalen ÜFA-Netzwerke unterstützt. Das Projekt wurde aus Mitteln der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und des BMBWF finanziert. Die Nachhaltigkeit von Reformen im Bildungsbereich zeigt sich letztlich daran, inwieweit sich dadurch im Schulalltag Lehr- und Lernprozesse wirklich verändern – und wie sie auf Systemebene verankert sind. In Rumänien gibt es heute über 800 Übungsfirmen. Auch in anderen ehemaligen ECO-NET-Ländern ist der ÜFA-Unterricht als Lernsetting zur Förderung der Entrepreneurship-Kompetenz in der Berufsbildung gut verankert.

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ECO NET ist damit ein gutes Beispiel, wie in einem grenzüberschreitenden Prozess des Lernens voneinander zwischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, Praktikerinnen und Praktikern sowie Expertinnen und Experten die nachhaltige Systemverankerung eines neuen Lernsettings gelingen kann. KKA war daher von der rumänischen Seite auch zum Treffen der Sektionsleiter/innen in Alba Iulia eingeladen, um seine Erfahrungen hier einzubringen.

Im Schwerpunktbereich „Entrepreneurship Learning“ (EL) unterstützt KKA aber auch die Entwicklung weiterer neuer Lehr-/Lernzugänge sowohl für die Umsetzung von EL als Fach, wie auch als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip.

So arbeiten derzeit im Rahmen des KKA-Projektes "Förderung von Entrepreneurship- Kompetenzen" fünf russische berufsbildende Schulen und drei Wiener Schulen (HTL Spengergasse, Tourismusschulen MODUL und das International Business College Hetzendorf) an der Frage, wie Entrepreneurship Learning als Teil einer neuen Lernkultur fächerübergreifend im fachpraktischen Unterricht unterschiedlicher Ausbildungsprofile umgesetzt werden kann. Basierend auf dem Ansatz von „Entrepreneurship Challenges“, der im Rahmen des Projekts „Youth Start“ entwickelt wurde, erproben die Schulen die Umsetzung neuer methodischer Zugänge, tauschen ihre Umsetzungsideen aus und reflektieren, welche Entrepreneurship-Kompetenzbereiche durch welche Methoden am besten gefördert werden können. Projektergebnis wird eine „e-Toolbox“ sein, mit einer Sammlung praktischer Methoden für die Umsetzung von Entrepreneurship Learning als Unterrichtsprinzip in der Berufsbildung.

Ursula Hilmar
Leiterin Strategie + Kommunikation
KulturKontakt Austria

www.kulturkontakt.or.at/econet



[1] Durchgeführt wurde das KKA-Projekt ECO NET mit Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und des Bildungsministeriums.






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 Quicklinks

Unterstützung des Übungsfirmenunterrichts in SOE

Im Jahr 2001 begann die Implementierung von ECO NET mit dem Ziel, eine praxisnahe Wirtschaftsausbildung in Südosteuropa zu fördern. Das Modell der Übungsfirma (ÜFA) bietet dafür ein ideales Instrument.

Statement: Madlen Serban

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