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 30 Jahre KKA

Zeitrelevante Themen kreativ verhandeln


Die Techniken und Ansätze der Kulturellen Bildung ermöglichen es, verschiedene Themen im schulischen Zusammenhang kreativ zu vermitteln. Daher setzt KulturKontakt Austria kontinuierlich zeitgemäße Schwerpunkte, um Österreichs Schulen darin inhaltlich zu begleiten und zu unterstützen. 2008 etwa behandelten wir anlässlich der Fußball-Europameisterschaft in Österreich mit dem Programm „KickKultur“ das Thema „Fair Play im Fußball und in der Gesellschaft“. Den intergenerativen Austausch forcierten wir von 2011 bis 2013 im Rahmen des europäischen GRUNDTVIG-Projekts „Mix@ages“. Im Auftrag des Bildungsministeriums widmeten sich Programme und Projekte zwischen 2015 bis 2018 den Aspekten des demokratischen Zusammenlebens, um „Mit Kultureller Bildung Demokratie und Gesellschaft zu gestalten“. Rund um das 100-Jahr-Jubiläum der Republik Österreich schließlich erprobten wir Ansätze und Methoden, um mittels Kultureller Bildung Geschichte zu vermitteln. Dieser Schwerpunkt gipfelte im Erinnerungsjahr 2018 in dem vom Bundeskanzleramt geförderten Programm „Geschichte gemeinsam verhandeln.“

KKA_Peter Haselmayer_Vorbereitung der Arbeit Sprechblasen

Für die Vermittlung der Geschichte der Republik Österreich stellten sich dabei zwei zentrale Fragestellungen: Einerseits leben kaum noch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus der Gründungsphase, die über ihre Biographie persönliche Betroffenheit erzeugen und für die Diskussion der Zusammenhänge zur Verfügung stehen können. Andererseits sind diese „100 Jahre Republik“ von Migrationsbewegungen geprägt, ob zwischen Land und Stadt, ob zwischen Staaten oder aber von Kontinent zu Kontinent. Wie können wir also heute bei Jugendlichen Interesse für Ereignisse wecken, die mehr als 70 Jahre vor ihrer Geburt in Österreich stattgefunden haben? Oder warum sollten sie damit verbundene historische Aspekte als relevant erachten, wenn ihre eigene Familiengeschichte möglicherweise 7.000 km davon entfernt ihren Ausgang genommen hat?

Ein erfolgversprechendes Instrument dafür ist für KKA in der Verknüpfung von Kulturvermittlung mit Geschichtsvermittlung zu finden. Dementsprechend gestalteten wir die Konzeption von „Geschichte gemeinsam verhandeln“. Die Realisierung der insgesamt 30 Projekte mit Schülerinnen und Schülern ab der 6. Schulstufe erfolgte in Kooperation mit regionalen Kultureinrichtungen und verband immer zwei wesentliche Ansätze: In einem ersten Schritt bearbeiteten die Jugendlichen im Sinne eines „Forschenden Lernens“ für sie relevante Fragestellungen, forschten also „in eigener Sache“. Im Formulieren von Antworten ließen sich begleitend Bezüge zur „großen Geschichte“ herstellen. Vertieft wurde dieser Prozess in einer zweiten Phase durch eine Bearbeitung mittels künstlerisch-ästhetischer Verfahren. Diese half den Schülerinnen und Schülern – oft in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern – beim Reflektieren: „Was hat das mit mir zu tun?“

Impulse setzte KKA in den verschiedenen kulturellen Sparten – vom (Figuren-)Theater bis hin zur Architektur, von der Musik bis hin zur Bildenden Kunst. Als Forschungsfelder boten sich den Jugendlichen drei Bereiche an - der „Alltag“, die „Kunst“ und die „Wissenschaft, um sie mit sozialen, historischen Ereignissen zu verbinden. Dementsprechend konnten sie Erinnerungsorte, gebaute Umwelt, Orte mit Kunstausstellungen und Museen wie regionale Bibliotheken und Archive für die persönliche Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Geschichte, ihrem Umfeld und den Entwicklungen in einer globalisierten Welt nutzen.

Dabei hat sich gezeigt, dass es den Jugendlichen leichter fällt, sich ihnen unbekannte Inhalte zu erschließen, wenn sie in ihrer eigenen (Jugend-)Sprache oder mit ihren gewohnten und ihnen vertrauten Medien arbeiten können. Neben diesem kulturtechnischen Aspekt kreiste ein mögliches Gelingen unerwartet oft um die Frage nach „Räumen“: Die Schüler/innen äußerten, in der Schule oft „zu wenig Raum“ für eine differenzierte Diskussion von Gesellschaft und Erinnerungskultur zu haben. Demgegenüber steht „der öffentliche Raum“, der sich ihnen in der Projektarbeit als attraktiv zum Forschen, zum Aktiv-Werden, ja auch zum Artikulieren von Erarbeitetem in Form von öffentlichen Präsentationen anbot. Bei mehreren Themen war die Möglichkeit, für oder gegen etwas Position beziehen zu können, das belebende Moment im Arbeitsprozess. In den Projekten zu Menschenrechten, Kinderrechten oder dem Frauenwahlrecht wie auch zu den 70er Jahren nahmen die Jugendlichen Stellung für ihre Anliegen. Die Auseinandersetzung mit Protestsongs in der Zwischenkriegszeit, aber auch jene mit 1968 stehen wiederum beispielhaft für das Gegen-etwas-Sein, um daraus Erkenntnis zu generieren. Und dass sich Geschichte auch genau „vor der eigenen Haustür“ abgespielt hatte, war dabei oft die erstaunende Einsicht. Als richtig und wichtig herausgestellt hat sich, auf Kunst und ihre Kraft zu setzen – in verschiedenen Projektphasen: Als Einstieg ins Projekt waren es oft künstlerische Positionen zum Thema oder zur gewählten Epoche, die die Schüler/innen emotional berührten und somit auch motivierten – zum Entwickeln von eigenen Fragen und zum Forschen. Das künstlerisch-kreative Arbeiten in der zweiten Phase wiederum bot Gelegenheit, mit Kunstschaffenden nochmals „um die Ecke zu denken“ und damit das Erfahrene aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten – ein Experimentieren, ohne „Richtig“ oder „Falsch“. Gleichzeitig mussten die Jugendlichen aber, wo verifizierte historische Quellen vorhanden sind, mit den Grenzen für dieses Verhandeln umgehen. Erst aus persönlicher Aneignung, Reflexion und Faktenwissen insgesamt formten sich historische Bilder.

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Einen Einblick in die vielfältigen Prozesse und Themen auf dem Weg dorthin geben die Broschüre „Geschichte gemeinsam verhandeln“ und die Projektdatenbank www.kulturkontakt.or.at/beispiele. Dokumentiert sind darin primär nicht die historischen Fakten, auf die die Schüler/innen in ihrer Recherchearbeit gestoßen sind, sondern die Verfahren, mit denen sie diese bearbeitet haben. Eine besondere Qualität derartiger partizipatorischer Prozesse ist die (Selbst-) Ermächtigung der Teilnehmenden zur Eigenaktivität. Im Sinne einer zeitgemäßen Geschichtsvermittlung mit Jugendlichen kann das nur heißen, sie über die kulturelle Auseinandersetzung mit Geschichte anzuregen, Gesellschaft heute mitzugestalten und heute demokratisch aktiv zu sein.

Eva Kolm und Roman Schanner
Projektkoordinatorin, Projektkoordinator
KulturKontakt Austria

Fotos: © Peter Haselmayer, Vanessa Url



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Geschichtsvermittlung durch Kulturelle Bildung

KKA setzt in Kooperation mit Kultureinrichtungen einen Schwerpunkt auf lokale Geschichtsvermittlungsprojekte mit Schulen.

Statement Mercedes Echerer