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Eröffnung: 20. 02. 2018Ausstellungsdauer: 21. 02. – 02. 03. 2018

Artikel

 Ausstellungen

HERstory
Werkpräsentation der Artists in Residence 01/2018


Andrea Palašti, Emil, Foto, 2018
Elona Çuliq, lapsus memoriae, part of sound Installation & mute poetry, 2018
Paloma Tendero, Medusa, Foto, 2018
Valentina Utz, Gleichgewicht / Gleichberechtigung / Gleichwertig, Audiovisuelle Installation, 2018


Das Bundeskanzleramt (BKA) und KulturKontakt Austria (KKA) zeigen ab 20. Feber 2018 Werke von Elona Çuliq (Albanien), Andrea Palašti (Serbien), Paloma Tendero (Spanien) und Valentina Utz (Chile), die derzeit als Artists in Residence auf Einladung von BKA und KKA in Wien leben und arbeiten.

Ausstellung HERstory:
Eröffnung:
Dienstag, 20. 02. 2018, von 17.00 bis 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 21. 02. – 02. 03. 2018
Ort: BKA-Veranstaltungsraum, Concordiaplatz 2, 1010 Wien
Montag bis Freitag geöffnet von 10.00 bis 17.00 Uhr
Eintritt frei!

Die Künstlerinnen der Ausstellung „HERstory“* zeigen in ihren Arbeiten vielfältige Geschichten. Sie bewegen sich von kleinsten biologischen Zellen über Pinselstriche bekannter Gemälde, bis zu tierischem Archivmaterial und Siedlungsgebieten am Rande der Stadt. Ihre Stories schreiben sich in die Haut, mit archivarischen Händen, auf Beton und Fußböden ruhmreicher Gemäldegalerien.

Immer wiederkehrend ist das Motiv des Erinnerns, der Selbstbestimmung und der kritischen Auseinandersetzung mit Berichterstattung. Dies passiert manchmal auf sehr subtile, poetische Weise, dann wieder auf absurd ironischem Weg und lässt auch die Betrachtenden Teil der Arbeit werden.

For me the memories are like waves, they come to me with different frequencies, sometimes quite clear, sometimes dim and turbulent.

Die erste Arbeit der Ausstellung führt uns auf die Straße. Dort lädt die Schriftstellerin und Performerin Elona Çuliq die PassantInnen zum Verweilen ein. Das Spiegelglas der Fassade überträgt Gedichte der Autorin in den Außenraum. Die Texte vermengen sich im Innenraum mit Aufnahmen der Gemäldegalerien - wir hören Rubens, Raphael und Caravaggio. Die Erinnerung des Klanges ist für die Künstlerin viel stärker als das visuelle Gedächtnis. Wie in Wellen schwinden die Geräusche und kommen näher, verändern sich und werden weggespült - ähnlich unseren Erinnerungswellen. Mit Hilfe ihrer Poesie schreibt sich die Schriftstellerin selbst Erinnerungen und erdichtet sich eine Kindheit, an die sie sich nicht mehr erinnert. Dabei ist das Konzept der „Anderen“, eines Gegenübers, in dem man sich selbst spiegelt, eine wichtige Grundlage. So tauschen auch in der gezeigten Arbeit Betrachtende und zu Betrachtende den Platz im Spiegelglas.

I like to work with information - with already made stories and images, which then I re-interprete, manipulate or change.

Um die Situation des Betrachtens und Betrachtet Werdens geht es auch bei Andrea Palašti, wenn auch in anderer Form - während ihres Aufenthaltes in Wien kooperierte sie mit der Geschichtsforschung und Dokumentation des Tiergartens Schönbrunn und gewann einen Einblick in das Bildarchiv eines der bekanntesten Zooleiters und späteren NSDAP Mitglieds Otto Antonius. Dort stieß sie auf Emil, einen Orang-Utan, dessen Fell noch heute im Naturhistorischen Museum aufbewahrt wird. In einer weiteren Arbeit setzt sie sich mit Fotografien der Wiener Internationalen Gartenschau 1964 auseinander, die die BewohnerInnen der Siedlung Bretteldorf (heutiger Donaupark) zur Umsiedlung zwang. In humorvoller Haltung betrachtet sie die Geschichten, die in Archiven konserviert werden und setzt ihr Recherchematerial spielerisch in den Ausstellungsraum, wobei sich die BesucherInnen ihr eigenes Urteil bilden können. Geschichte, kulturelle Geographie und das tägliche Leben setzt sie den Kontexten von Kunst(räumen) entgegen.

Nach welchen vorgestellten Geschichten werden wir behandelt?

Auch Valentina Utz hat sich einem ideologisch aufgeladenen Ort in Wien genähert: Macondo, der ältesten Flüchtlingssiedlung der Stadt. Die Künstlerin erforscht urbane Transformationen und die Lebensrealitäten von BewohnerInnen isolierter Areale. Durch Interventionen und Performances - von der Kamera dokumentiert - agiert sie zwischen ihrem Körper und den spezifischen Räumen. Dabei werkt sie nicht als Eindringling, sondern entwickelt ihre Projekte in längerer Zusammenarbeit mit den Menschen. Immer wieder sucht sie Inszenierungen von Städten auf und liest die Geschichten, die sich an Orten der Marginalität verstecken. Durch ihre Arbeit hinterfragt die Künstlerin Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit im öffentlichen Raum und die Rolle der Großstadt darin.

I experience my life through my body; a body that holds my emotions and houses my anatomy, my energy and my memories.

Paloma Tenderos Fotografien schließen den Kreis zum ersten Werk. Beide Künstlerinnen vereint die Auseinandersetzung mit Erinnerung, aber anders als bei Elona Çuliq geht es Tendero um das biologische Gedächtnis, um Vererbung und Krankheit. Für „HERstory“ interpretiert sie die mythologische Figur Medusa. Auf sehr intime Weise setzt die Künstlerin den eigenen Körper als Werkzeug ein und inszeniert ihn fotografisch. Dieser Akt der Entblößung wird durch geflochtene Skulpturen, die den Gendefekt der Künstlerin repräsentieren, in den realen Raum transportiert. Die Schönheit, mit der die Künstlerin die eigene Krankheit ablichtet, offenbart zugleich ein Gefangensein und einen Kampf um Selbstbestimmung.

* HERstory beschreibt Geschichte (HIStory) aus feministischer Sicht und legt den Schwerpunkt auf die Rolle der Frauen, berichtet Geschichte(n) aus weiblicher Perspektive.

 Text: Lena Violetta Leitner (Künstlerin, Kuratorin)


Das Bundeskanzleramt stellt in Kooperation mit KKA Residence-Stipendien in Wien zur Verfügung. Die StipendiatInnen werden im Rahmen des Artists-in-Residence-Programms vom BKA gefördert und von KKA beratend und organisatorisch begleitet.

Elona Çuliq | Albanien
Die Schriftstellerin und Performerin studierte Psychologie an der Universität von Shkoder und Tirana. 2010 veröffentlichte sie erstmals in einem Literaturband. Ihre Arbeiten wurden in verschiedenen nationalen und internationalen literarischen Anthologien publiziert, darunter u. a. Poeteka, Aleph, Helicon, Milosao, „500 poeti Dispersi“ - Dedicato Giacomo Leopardi, „The Gesture and the Genesis“. Sie nimmt an Poesiefestivals, Kunstaufführungen und kulturellen Aktivitäten in Albanien und im Ausland teil. Neben zahlreichen Aktivitäten vertrat sie im März 2017 Albanien auf der Leipziger Buchmesse.
www.albanianbooks.al/index.php/authors-2/elona-culiq/

Andrea Palašti | Serbien
Andrea Palašti ist bildende Künstlerin. Sie hat einen Master-Abschluss in Fotografie der Kunstakademie der Universität Novi Sad und promovierte an der Universität der Künste in Belgrad in Kunst- und Medientheorie. Grenzüberschreitend und kuratorisch arbeitend, experimentiert sie mit Archiven, Methoden und kontextuellen Aspekten der Kunst und konzentriert sich dabei auf Fragen der Kulturgeographie und des Alltagslebens. Palašti ist außerordentliche Professorin für Visuelle Kommunikation der Abteilung für Neue Medien an der Kunstakademie in Novi Sad. Seit 2006 stellt sie aus und arbeitet mit verschiedenen Künstlern, Kunstkollektiven und Initiativen zusammen.
www.andreapalasti.com

Paloma Tendero | Spanien
Paloma Tendero ist eine bildende Künstlerin, die sich mit den physischen und psychischen Zusammenhängen beschäftigt, die dem biologischen Determinismus entspringen. Nach einem BA in Bildender Kunst an der Universität Complutense, Madrid, schloss sie ihr Studium mit dem MA in Fotografie am London College of Communication ab. Ihre Arbeiten wurden in Gruppenausstellungen in London, Madrid und Shanghai gezeigt. Sie ist „MA Photography Alumni Ambassador“ am London College of Communication und kuratiert und organisiert Ausstellungen mit anderen Künstlern.

Valentina Utz | Chile
Valentina Utz ist eine bildende Künstlerin und Kunst- und Techniklehrerin der Grund- und Mittelschule in Chile. Sie arbeitete zudem als Lehrerin in psychiatrischen Einrichtungen. Valentina Utz stellt ihre Arbeit durch Performances, Installationen und Videos dar, wobei sie verschiedene Formen der Mediation generiert und verschiedene Personengruppen in den Prozess ihrer Arbeit einbezieht. Zurzeit organisiert sie Kunst- und Kulturvermittlungsprojekte und spielt Flöte bei Sicurí, einer Musikgruppe aus Concepción, Chile. Außerdem entwickelt sie ein experimentelles Radioprogramm mit dem Kaum Collective in Santiago de Chile.
http://cargocollective.com/valentinautz



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