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Die Ausstellung "Das Innere wartet draußen auf Dich" wurde im Rahmen des Artists-in-Residence-Programms von Bundeskanzleramt und KulturKontakt Austria in einer Zusammenarbeit mit der Parallel Vienna ermöglicht. Es handelt sich um eine Kooperation von Künstlerinnen und Künstler des Artists-in-Residence-Programmes* mit österreichischen Kunstschaffenden. Künstlerinnen und Künstler: Dariia Kuzmych (Ukraine)*, Alicja Rogalska* (Polen/UK), Julian Turner (Österreich), Anna Witt (Österreich) sowie Bassem Yousri* (Ägypten)Kuratorin: Anamarija BatistaProjektkoordination: KulturKontakt AustriaEröffnung: 19. 09. 2017, von 13.00 bis 22.00 UhrAusstellungsdauer: 20. – 24. 09. 2017Ort: Parallel Vienna, Alte Sigmund Freud Universität, Raum 403, Schnirchgasse 9A, 1030 WienMit Eintritt.http://parallelvienna.com/"Im Jahr 1997 gewinnt das Computerprogramm „Deep Blue“ den Wettkampf gegen den damaligen Schachw

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 Presse

September 2017

Das Innere wartet draußen auf Dich


Die Ausstellung "Das Innere wartet draußen auf Dich" wurde im Rahmen des Artists-in-Residence-Programms von Bundeskanzleramt und KulturKontakt Austria in einer Zusammenarbeit mit der Parallel Vienna ermöglicht. Es handelt sich um eine Kooperation von Künstlerinnen und Künstler des Artists-in-Residence-Programmes* mit österreichischen Kunstschaffenden.

Künstlerinnen und Künstler: Dariia Kuzmych (Ukraine)*, Alicja Rogalska* (Polen/UK), Julian Turner (Österreich), Anna Witt (Österreich) sowie Bassem Yousri* (Ägypten)

Kuratorin: Anamarija Batista
Projektkoordination: KulturKontakt Austria

Eröffnung: 19. 09. 2017, von 13.00 bis 22.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 20. – 24. 09. 2017
Ort: Parallel Vienna, Alte Sigmund Freud Universität, Raum 403, Schnirchgasse 9A, 1030 Wien
Mit Eintritt.
http://parallelvienna.com/

"Im Jahr 1997 gewinnt das Computerprogramm „Deep Blue“ den Wettkampf gegen den damaligen Schachweltmeister Garry Kasparow. Mit diesem Sieg war nicht nur ein Nachweis über die gesteigerte Kapazität und Leistungsfähigkeit der Maschine erbracht, vielmehr ahmte das Programm die menschliche Fähigkeit nach, vorausschauend und situationsabhängig zu urteilen und zu reagieren.

Als eine der ältesten Brettspielarten wird Schach zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert von Persien nach Europa gebracht. Historisch betrachtet, steht das strategische Spiel fortdauernd in der Gunst regierender Klassen. Während es im Mittelalter als eine der sieben Fertigkeiten der Ritter gilt, verkörpert es im 18. und 19. Jahrhundert eine habituelle Praxis des Bürgertums, das an Orten der modernen Stadtkultur – in Kaffeehäusern, Vereinen und Klubs – gespielt wird. Im Anschluss daran setzt zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Gründung der Arbeiterschachvereine ein. Rege Diskussionen über die sozialistische Zukunft sowie die Rechte der Arbeiter_innen werden an den Schachbrettern geführt.

„Im Schachspiel spiegeln sich […] zeitgenössische Erscheinungen wider. Das geschieht nicht nur auf der künstlerischen, sondern auch auf politischer Ebene“, stellt Edmund Bruns in seinem Buch Das Schachspiel als Phänomen der Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts1 fest. Hier wird das Schachspiel als künstlerisches und somit reflektives und transformatorisches Betätigungsfeld bezeichnet. Eingebettet in den Rahmen politischer Ordnungen, wird es von denselben beeinflusst.

Kehren wir gedanklich zum heutigen Entwicklungsstand zurück, wo inzwischen Software mit künstlicher Intelligenz der menschlichen Fähigkeit, auf dem Schachbrett kombinatorisch und strategisch zu denken, überlegen ist, so stellt sich die Frage, welche gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse durch diese Tatsache reflektiert werden.

Was die industrielle Revolution vergangener Jahrhunderte noch nicht verwirklicht hat, nämlich die Maschine in die Lage zu versetzen, strategisch zu planen und vorausschauend zu agieren, wird durch die heutige Leistung der Rechner, große Datenmengen aufzunehmen sowie menschliche Bewegungsabläufe nachzuahmen, immer wahrscheinlicher. Regierungen kündigen die vierte Industrielle Revolution – die Industrie 4.0 – an. Arbeits- und Körperrealitäten werden unter dem Einsatz künstlicher Intelligenz bedeutend verändert.

Zur gleichen Zeit kann im Hinblick politisch-ökonomischer Visionen eine Orientierungslosigkeit diagnostiziert werden. Utopien werden nicht mit Blick auf die Zukunft gedacht, vielmehr werden Stimmen lauter, die Sicherheiten in der Vergangenheit suchen. Es erscheint herausfordernd und schwierig, technologische Innovation in ein soziales Zukunftsnarrativ einzubetten und Modelle zu entwickeln, die den existierenden sozialen Staat unter dem Gesichtspunkt sozialer Freiheit und ökonomischer Solidarität transformieren.

Einer der Gründe ist in der Tatsache zu suchen, dass Politik gegenüber der Ökonomie an Einfluss eingebüßt hat. Dies bedeutet, dass sich eine gesellschaftliche Kontrolle technologischer Entwicklungen im Sinne einer sozialen Nachhaltigkeit angespannt gestaltet. Ein weiterer Grund liegt in der aktuellen Beschaffenheit und Ausrichtung des staatlichen Verwaltungsapparates, der laufend unter dem Druck von Sparpolitik steht und Räume für das Experimentieren und Forschen lokaler Akteure langfristig gesehen nicht ausreichend finanziert. Kurze Projektlaufzeiten sowie damit in Verbindung stehende Unsicherheiten wirken sich insofern aus, dass in vielen Fällen Auseinandersetzungen keine Kontinuität aufweisen und in weiterer Folge die Erprobung sozialer Innovationen bzw. die Operationalisierung gewonnener Ergebnisse oft nicht ausreichend erfolgt.

In dieser Ausstellung wird die Frage nach dem Zusammenhang von technologischer Innovation, die die Entwicklung künstlicher Intelligenz befördert, und der Schwierigkeit, eine Vision sozialer Gemeinschaften2 unter neuen technologischen Voraussetzungen zu denken, thematisiert. Künstlerische Arbeiten, die Aspekte dieser Fragestellung behandeln, werden nebeneinander sowie sich gegenübergestellt.

Das Labor für künstliche Intelligenz befindet sich gegenüber dem Büro eines schlafenden Beamten (Dariia Kuzmych, Bassem Yousri). Ein sinnlos schwafelnder Protagonist versucht den Sinn heutiger gesellschaftlicher Situationen zu begreifen (Yousri). Die Stimmen von Menschen, die in Dresden jeden Montag demonstrieren um ihre Perspektive auf die gesellschaftliche Entwicklung sichtbar werden zu lassen, werden in einem Buch versammelt (Kuzmych). Gleichzeitig spielt die Blue Flame LARP Gruppe revolutionäre Zukunftsszenarien (Alicja Rogalska). Fantasievoll tanzen indonesische Pflegerinnen mit älteren japanischen Amateurtänzerinnen den Pflegealltag in einer Einkaufspassage (Anna Witt). Eine Zug-Bar lädt zum Einsteigen (Julian Turner)."

Epilog:
Die einsame Schachspielerin steigt ein und gesellt sich zu ihren Mitspieler_innen, um über neue Strategien des gesellschaftlichen Entwurfes zu sprechen, denn es ist ihre Zukunft, die auf dem Spiel steht.

Text von Anamarija Batista
Übersetzung und Korrektorat: Carina Lesky


1 Edmund Bruns, Das Schachspiel als Phänomen der Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, LIT Verlag, 2003, S.10.
2 Wie jene des Staates.

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Dariia Kuzmych, Happiness 100%, Serie view in the future, Video
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Dariia Kuzmych, Dresden. Menschen auf dem Platz, Künstlerbuch / Installation, 2017
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Julian Turner, Italian Sliding Door
©Julian Turner
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Alicja Rogalska, The Ones Who Walk Away, HD Video, 2017
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©Anna Witt, Courtesy Galerie Tanja Wagner, Berlin
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