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Eröffnung: 20. 06. 2016Ausstellungsdauer: 21. – 30. 06. 2016

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 Ausstellungen

Werkpräsentation der Artists in Residence 02/2016


Xue Mu
Werk der Künstlerin Xue Mu
Xue Mu, Mirror Tower_ 1 Advertisement_Sketch
Giorgia Conceição aka Miss G
Giorgia Conceição aka Miss G, The Shaking Flag, Triptych, 2016
Giorgia Conceição aka Miss G, The Shaking Flag, Triptych, 2016
María Raquel Cochez
Werk von María Raquel Cochez
María Raquel Cochez, Bag Videos
Linh Nguyen
Linh Nguyen, Red, Videostill, 2016
Linh Nguyen, Red, Videostill, 2016
Matilda Odobashi
Matilda Odobashi, German Lesson, Videostill, 2016
Matilda Odobashi, German Lesson, Videostill, 2016
Meggy Rustamova
Meggy Rustamova, Waiting fort the secret, Videostill, 2014
Meggy Rustamova, Waiting fort the secret, Videostill, 2014


Das Bundeskanzleramt (BKA) und KulturKontakt Austria (KKA) laden zur Werkpräsentation der internationalen Artists in Residence des zweiten Quartals in den Veranstaltungsraum des Bundeskanzleramtes am Concordiaplatz in Wien ein. Gezeigt werden Arbeiten von María Raquel Cochez aus Panama, Giorgia Conceição aus Brasilien, Xue Mu aus China/Niederlande, Linh Nguyen aus Vietnam, Matilda Odobashi aus Albanien und Meggy Rustamova aus Belgien.

Das Bundeskanzleramt stellt in Kooperation mit KKA Residence-Stipendien in Wien zur Verfügung. Die Stipendien werden im Rahmen des Artists-in-Residence-Programms vom BKA gefördert und von KKA beratend und organisatorisch begleitet.

Eröffnung: 20. 06. 2016, von 17.00 bis 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 21. – 30. 06. 2016
Ort: BKA-Veranstaltungsraum, Concordiaplatz 2, 1010 Wien
Montag bis Freitag geöffnet von 10.00 bis 17.00 Uhr

María Raquel Cochez (Panama)
María Raquel Cochez wurde 1978 geboren. Die Künstlerin und Lektorin aus Panama hat ihr Studium zum Bachelor of Arts am Savannah College of Art and Design, Georgia, USA, absolviert. Cochez beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit dem menschlichen Erleben innerhalb etablierter Normen rund um die Themen Essen, Schönheit, Selbstwertgefühl und die persönlichen, manchmal etwas verzerrten und oft einschränkenden Definitionen dieser Begriffe. Cochez: „In meiner Arbeit geht es mir um die Psychologie hinter dem Entstehen von Schönheitsidealen in der Kindheit, kulturelle Unterschiede im Schönheitskanon und deren Subjektivität durch eine verzerrte Wahrnehmung des Körpers getriebene Selbstverletzungen, um die sexuelle Dynamik rund um einen Körper, der nicht dem in den Medien gefeierten Bild entspricht und letztlich um die Auswirkungen einer gestörten Beziehung zum Essen. Meine Arbeit ist die lange Geschichte des Kampfes um Selbstakzeptanz durch selbstbezogene, autobiografische und biografische Parallelen zu diesem universellen Kampf“.

Die „Bag Videos“, die Cochez in der Ausstellung zeigen wird, sind eine Sammlung von 15 bis 20 kurzen Videos, die während des Stipendienaufenthalts in Wien 2016 entstanden. Das Subjekt trägt einen über den Kopf gestülpten Papiersack und beschreibt dabei ihr körperliches Selbst. Es gibt weder ein Drehbuch noch Regieanweisungen. Es geht dabei um die Distanz zwischen dem körperlichen Selbst und der Wahrnehmung eines Subjekts durch den Betrachter, wodurch die physischen Qualitäten vom Wert der Person getrennt werden. Die beim Betrachten einer Person entstehenden Konzepte und Schlussfolgerungen verschwimmen in einer Vielfalt von Empfindungen – Identität und wahrgenommene Identität kokettieren miteinander. Die Serie zeigt Modelle zahlreicher Nationalitäten und nützt deren unterschiedliche Akzente zur Erweiterung oder Verzerrung imaginierter Bilder. Als zweite Arbeit, die diesen Bogen weiterspannt, zeigt sie Billboards unter dem Titel „Welcome to Vienna“. Diese Billboards werden in Originalgröße ab 22. Juni als Außeninstallation am FLUC Praterstern Wien gezeigt.
http://mariaraquelcochez.com

Giorgia Conceição aka Miss G (Brasilien)
Giorgia Conceição aka Miss G wurde 1981 in Brasilien geboren. Sie hat einen Master of Arts in Darstellender Kunst von der Federal University of Bahia, Salvador, Brasilien, und hat einen Postgradualen Abschluss in Dramatischer Literatur und Theater an der Federal University of Technology von Paraná, Curitiba, Brasilien erworben. Sie erhielt dreimal Stipendien des Rumos Itaú Cultural Programmes (2010, 2012 and 2014), einem internationalen Programm für Kunstentwicklung in São Paulo, Brasilien. Während ihres Studiums der Performance-Kunst entwickelte sie das Konzept der „burla“, ein lateinisches Wort, das sich vom Genre der Burlesque ableitet (das Substantiv burla wird zum Adjektiv burlesque). Burla stellt sich als eine Strategie zur Erschaffung des Körpers dar, der von seinen Narben geheilt werden will. Manche davon sind geschlechtsbedingt, andere entstanden aufgrund von Kolonialismus und Stereotypisierung. So werden Kräfte und Charakteristika sichtbar, die sich im Diskurs der kolonialen und rationalistischen Tradition nicht entwickeln konnten. In den Arbeiten der Künstlerin verschwimmen die Grenzen zwischen Live-Art und Burlesque.

In „The Shaking Flag“ setzt Giorgia Conceição ihre Anwendung eines vibrierenden Körpers als Antithese zu festen Identitäten ein. In diesem Triptychon stellt die Künstlerin ihren Körper und Spuren ihrer Handlungen, ihres Lebens und ihrer Identität als Brasilianerin ihrem verschwimmenden Selbst gegenüber. Dieses Verschwimmen ist eine Strategie, um sich selbst neu zu erschaffen und der affirmativen Bewegung des Lebens subjektiv zu folgen. Feste Identitätsgrenzen, wie kolonialisierte Identität, Nationalismus und Geschlecht, stehen der positiven Seite des Lebens im Wege. Eine weitere Ebene des Triptychons bilden der jüngste Regierungsumsturz in Brasilien und die Radikalisierung nationalistischer Tendenzen überall auf der Welt.
https://giorgiaconceicao.wordpress.com/

Xue Mu (China/Niederlande)
Xue Mu wurde 1979 in Nanjing in China geboren. Sie hat einen Bachelor of Fine Arts der Gerrit Rietveld Academie und einen Master of Fine Arts des DAI (Dutch Art Institute). Xue Mus künstlerische Arbeit umfasst Fotografie, Installationen, Großserien von Zeichnungen und kollaborative Performances, wobei jede Kunstform einen bestimmten Aspekt ihres aktuellen Forschungsgebiets beleuchtet. Arbeiten von ihr wurden zuletzt im Apple Arts Centre in Amsterdam (2014), in der Gallerie Gabriel Rolt in Amsterdam (2012, 2014), YeoWorkshop in Singapur (2014), im Stedelijk Museum Amsterdam (2013) und im Hexiangning Art Museum in ShenZhen, China (2013) präsentiert. Xue Mu lebt und arbeitet in Amsterdam in den Niederlanden.

Xue Mu hinterfragt und reflektiert den unvermeidlichen Verlust der aktuellen Glaubenssysteme. Sie konzentriert sich dabei auf Zweifel, Neugier und das Bewusstsein in Bezug auf neue Werteorientierung und Zukunftspotenzial. Xue Mu beobachtet und artikuliert ihre unvermittelten Erfahrungen im Leben in ihren Kunstprojekten. Sie beschäftigt sich dabei kritisch mit den Vorstellungen von kultureller Identität und Ideologie. Während ihres Stipendienaufenthaltes in Wien intensivierte sie ihre Arbeit zu „Mirror Tower_ #1 Advertisement“. Die Künstlerin bedient sich dabei der Sprache der Werbung und wirbt für Mirror Tower wie für eine Ware. Die am häufigsten eingesetzten und billigsten Werbemittel sind für Xue Mu Plakate, Flyer und Broschüren. In der Ausstellung am Concordiaplatz möchte die Künstlerin daher eine Serie von Plakaten, Broschüren und Flyern präsentieren. „Diese werden zwar die Konventionen der kommerziellen Werbung übernehmen, d.h. verführerische Bilder und verkaufsfördernde Slogans, aber der Inhalt wird durch Bilder des intellektuellen und historischen Erbes ersetzt, wie z.B. utopische Architektur, abstrakte Formen und Diagramme. Die Werbeslogans werden durch Zitate aus philosophischen Werken und zeitgenössischen kritischen Schriften ersetzt“ beschreibt Xue Mu ihre Collage. Zusätzlich zeigt Xue Mu in Wien entstandene großformatige Kohlezeichnungen der Serie „Black Diamond“.
www.xuemu.nl

Linh Nguyen (Vietnam)
Linh Nguyen, 1985 geboren, arbeitet im Nhà Sàn Studio, dem ersten nicht auf Gewinn ausgerichteten und sehr bekannten Studio für experimentelle Kunst in Vietnam. Seit 2010 entwickelt und kuratiert sie im Nhà Sàn Studio Programme. Weiters ist sie Mitbegründerin von IN:ACT, einem internationalen Performance-Art-Festival in Hanoi und von Nhasan COLLECTIVE, einem offenen Kunstraum in Hanoi. Sie erhielt Stipendien in Korea, Indien und den USA und zählt zu den vielversprechendsten jungen Kunstschaffenden Vietnams. Sie lebt und arbeitet in Hanoi, Vietnam.

Die Medien ihrer multidisziplinären künstlerischen Arbeit sind Installation, Skulptur und Video. Linh Nguyen betreibt Feldforschung und sammelt Artefakte von historischen Stätten des Austauschs und der Grenzüberschreitung. Sie transformiert diese Materialien, um fragmentierten Historien und persönlichen Narrativen alternative Sichtweisen und Interpretationen zu verleihen. Linh Nguyens Arbeiten sind sinnlich, poetisch, fragmentiert, bescheiden und erhaben. Ihre Arbeiten spielen mit Wahrheit, Form und Zeit. Die Künstlerin entwickelt und bearbeitet Geschichten, die vergessen oder vergraben sind oder so unbedeutend, dass sie nie die Bewußtseinsebene erreichen.

Linh Nguyens Arbeit in Wien nimmt Bezug auf die großen Fluchtwellen vieler Vietnamesen aus ihrem Land nach 1975. Sie hatten sich in Amerika und Europa niedergelassen. Anfang der Achtzigerjahre setzte eine weitere Auswanderungswelle ein und zahlreiche vietnamesische Arbeiter und Arbeiterinnen suchten eine Beschäftigung in kommunistischen Ländern, vor allem Polen, Russland und Ostdeutschland. Linh Nguyen beschreibt ihre Herangehensweise: „Für das Projekt, das ich in Wien verwirkliche, will ich vorhandenes Material umformen, wie zum Beispiel alte europäische Globen oder botanische Zeichnungen, wobei ich mit vietnamesischen Frauen zusammenarbeite, die in Nagelstudios arbeiten. Damit will ich die Thematik der Arbeitsbedingungen und der geschlechtsspezifischen Rollen auf dem Arbeitsmarkt ebenso aufgreifen wie die Frage der heutigen Konsumästhetik.“ Weiters zeigt Linh Nguyen ihren Film „Red“.
http://plinh.com/uc/index.html

Matilda Odobashi (Albanien)
wurde 1988 in Tirana geboren. Sie schloss 2010 ihr Studium an der Kunstuniversität Tirana ab und arbeitete vier Jahre an der Kunstuniversität als Assistenzprofessorin. Matilda Odobashi hat mit verschiedenen Kultur- und Menschenrechtsorganisationen zusammengearbeitet und ist derzeit Koordinatorin der Galerie im Zeta Art Center in Tirana. In ihrer künstlerischen Arbeit konzentriert sie sich zwar in erster Linie auf Zeichnungen und Installationen, beschäftigt sich aber auch mit Malerei, Fotografie und neuen Medien. Sie lebt und arbeitet in Tirana, Albanien.

Matilda Odobashi begann im Rahmen des Stipendienaufenthaltes in Wien mit der Arbeit an mehreren Projekten. In der Ausstellung wird sie zwei dieser Arbeiten zeigen, die zueinander in Beziehung stehen. Ihre Arbeiten sind eine Reflexion über zwischenmenschliche Beziehungen und Fragen der Koexistenz zwischen Menschen, die sich im öffentlichen Raum begegnen und ihn teilen. Sie werfen auch einen kritischen Blick darauf, was die Allgemeinheit als „normal“ bezeichnet, wenn es um Beziehungen, um Liebeskonzepte, um Hass, um Gut und Böse geht.

Odobashi beschreibt ihre Arbeiten: „Der Fokus meiner künstlerischen Arbeit ist auf den Begriff der Anpassung ausgerichtet. Die in der Ausstellung gezeigten Projekte betreffen unter anderem die Thematik Flüchtlinge und Bildung. Das erste Projekt ist ein Video, in dem es um die Suche nach Bildungsmöglichkeiten geht, die es Flüchtlingen erleichtern sollen, sich in Österreich zu integrieren. Die zweite Arbeit ist eine Installation, die auf Erinnerungen an meine Volksschulzeit in Tirana und die damals oft praktizierten gewaltsamen Erziehungsmethoden beruht. Die Inspiration zum Video habe ich aus Begegnungen mit Freiwilligen bezogen, die Deutsch für Flüchtlinge aus verschiedensten Ländern unterrichten. Ich habe viele der Flüchtlinge und auch einige der ‚Lehrer‘ kennengelernt, darunter zwei Mädchen aus Eritrea, einem Land in dem Diktatur herrscht. Das hat mich an die Situation Albaniens in der Zeit des Kommunismus erinnert, als viele Menschen versuchten, das Land zu verlassen, weil sie nicht mehr unter dem kommunistischen Regime leben wollten. Die Protagonisten meines Videos sind ein Lehrer aus Wien und eine Studentin aus Eritrea. Im Video bitte ich das Mädchen, als Hausaufgabe ihre Erinnerungen an ihr Land in Deutsch niederzuschreiben, zu erzählen, wie das Leben dort war, wie und warum sie das Land verlassen hat. Ich befrage sie auch über ihre Familie und Verwandten in Eritrea, warum sie sich entschlossen haben, nach Wien zu kommen, wie sie sich in dem neuen Land fühlt und welche Träume sie für sich selbst und ihre Familie hat. Der Text wird von dem Mädchen selbst geschrieben und gemeinsam mit dem Video in der Ausstellung gezeigt“. Begleitet wird das Video in der Ausstellung von einer Installation. Diese reflektiert Kindheitserinnerungen in der Schulklasse von Odobashi – der täglichen Hygiene-Überprüfung und auf die Strafen, die auferlegt wurden, wenn Regeln gebrochen wurden.
www.matildaodobashi.com

Meggy Rustamova (Belgien)
Meggy Rustamova wurde 1985 in Tiflis in Georgien geboren. Sie lebt und arbeitet in Gent, Belgien. Sie migrierte als Kind mit ihrer assyrischen Mutter aus Georgien nach Belgien. Meggy Rustamova erhielt 2011 den Master-Grad am KASK (Königliche Akademie der Schönen Künste) in Gent, studierte 2010 an der Universität der Künste in Berlin und absolvierte ein postgraduales Studium von 2012-2013 am HISK (Höheres Institut der Schönen Künste) in Gent. Aktuelle Ausstellungen und Aufführungen: International Film Festival Rotterdam (2016), Tallinn Art Hall (2016), Beursschouwburg, Brussels (2015), Kunsthalle Wien (2015), Bureau des Réalités, Brussels (2015), 6th Moscow Biennale of Contemporary Art (2015), Project Arts Centre, Dublin (2014) und Salzburger Kunstverein (2014). Ihre Arbeiten sind in privaten und öffentlichen Sammlungen von Belfius, Argos und S.M.A.K. aufgenommen.

Rustamovas künstlerische Arbeit ist durch einen interdisziplinären Ansatz von Film, Installation und Performance und tiefen poetischen Anklängen gekennzeichnet. Sie sucht nach Erzählungen, Geschichten zwischen Phantasie und Wirklichkeit - verbunden mit Melancholie und absurdem Humor.

In Wien zeigt Rustamova sowohl den Film „Waiting fort the secret“, entstanden 2014, als auch als „Work in Progress“ ein Video, in dem sie - im mehrsprachigen Interviewformat - auf die Smartphone-Nutzung der Wiener/innen im öffentlichen Bereich eingeht.
„In „Waiting for the secret” stellt Meggy Rustamova unsere Beziehung zum Bild in Frage. Die Tatsache, dass sich dieses Geheimnis immer auf Sprache bezieht, erleichtert die Dinge nicht. Sprache mag zwar Raum zum Ausruhen bieten, garantiert aber keine Stabilität. Durch die Verwendung von Esperanto zeigt Rustamova, dass das Ideal einer verlässlichen, transparenten und politisch neutralen Sprache, die jede Ambiguität ausräumt, nach wie vor nicht in der Lage ist, Bedeutung zu stabilisieren. Wenn die Untertitel plötzlich verschwinden, müssen wir uns mit Geräuschen begnügen, die zwar vertraut klingen, deren Bedeutung aber ein Geheimnis bleibt“. (zit. P. Van Brabandt)



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