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Ausgezeichnete Wege zur Kunst


Im Projekt „Culture.Walks“ handelt es sich um einen selbstgenerierten Bedarf der BesucherInnen der Medienwerkstatt Pangea an der Nutzung von Kulturangeboten. Wie hat sich die Verteilung der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitungsarbeiten ergeben?

Das Projekt „Culture.Walks“ ist organisch durch Erproben verschiedener Formen entstanden und entwickelt sich laufend weiter. Durch das regelmäßige Aufeinandertreffen von verschiedenen Kulturen, aber auch durch die Mitarbeit von vielen KünstlerInnen und KulturarbeiterInnen bei Pangea war uns das gemeinsame Nutzen von Kulturangeboten immer schon wichtig. Das Projekt „Culture.Walks“ war eher eine Formalisierung und Ausformulierung einer informell schon länger bestehenden Praxis.

Wie hat die Zusammenarbeit mit den Kulturinstitutionen ausgesehen? Und in wie weit bekommen die Kultureinrichtungen mit, dass für Ihren Verein Pangea Führungen stattfinden?
Wir kontaktieren natürlich die Kultureinrichtungen immer im Vorhinein, um zum Beispiel abzuklären, wann günstige Zeiten mit weniger Publikumsverkehr sind. Wir versuchen stets, Führungen zu organisieren, die sprachlich möglichst gut zu unseren NutzerInnen passen. Leider ist das bei einer sehr inhomogenen Gruppe wie den Pangea-NutzerInnen nicht immer leicht: Viele unserer NutzerInnen sprechen schon recht gut Deutsch, andere wiederum fast gar nicht. Es ist in solchen Fällen manchmal sehr hilfreich, wenn die Führungen auf Englisch stattfinden oder jemand beispielsweise ins Russische übersetzen kann. Zusätzlich erfragen wir auch die Eintritts- und Führungspreise und handeln diese aus. Glücklicherweise sind uns dabei die Kultureinrichtungen sehr entgegengekommen. Jedoch konnten wir bis jetzt noch keine intensivere Kooperation mit längerer Vorlaufzeit und gemeinsamer Ausarbeitung von Inhalten durchführen, nicht zuletzt auch aus Mangel an Ressourcen.

Neben mehrsprachigen Führungen - welchen Mehrwert haben die „Culture.Walks“ zusätzlich?
Unsere NutzerInnen, sehr viele davon sind AsylwerberInnen, kommen aus den verschiedensten Ländern mit sehr unterschiedlichen Mutter- und Verkehrssprachen. Wir sehen dies sowohl als Chance als auch als Problem: Einerseits ist es gerade bei einer Ausstellungsführung oft unmöglich, allen TeilnehmerInnen alles zu übersetzen, weil dafür der zeitliche Rahmen nicht reicht und es den Ablauf zu sehr zerreißen würde. 

Andererseits bietet gerade die Mehrsprachigkeit auch die Chance, voneinander zu lernen: Wie auch im „Normalbetrieb“ der Medienwerkstatt Pangea unterstützen NutzerInnen, die bereits länger in Österreich sind, KollegInnen mit noch schlechteren Deutschkenntnissen. Das bietet natürlich für alle Beteiligten die Möglichkeit, nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich dazuzulernen und die Deutschkenntnisse zu verbessern.

Wenn eine Führung beispielsweise auf Englisch angeboten wird und dies zur Zusammensetzung der Gruppe bzw. den Sprachkenntnissen passt, kann auch das sehr gut funktionieren. Wir versuchen nicht krampfhaft Integration zu betreiben. Vor allem die Kommunikation untereinander ist uns – mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – wichtig. Besonders versuchen wir aber, die Angebote so auszuwählen, dass sie auch sinnlich erlebbar und nicht nur sprachlich vermittelbar sind. Sehr „textlastige“ Angebote funktionieren schlechter.

Wie sieht die Vor- und Nachbereitung der „Culture.Walks“ aus?
Als sehr niederschwellige Organisation mit sehr informellen Strukturen - unsere NutzerInnen kommen je nach eigenen zeitlichen Möglichkeiten bzw. Interesse - ist eine intensivere Nachbearbeitung der „Culture.Walks“ sehr schwierig, unter anderem auch weil nicht immer die gleichen Personen kontinuierlich teilnehmen.
Die gemeinsamen Erfahrungen schaffen jedoch Bezugspunkte, von denen aus wir etwa in eigenen Projekten weiterarbeiten.

Wie ist das Feedback der TeilnehmerInnen? Wie viel Initiative kommt von ihnen und wie sehen ihre Erwartungen aus?
Genauso inhomogen wie unsere NutzerInnen als Gruppe sind, so unterschiedlich ist auch das Feedback und der Grad der Beteiligung bei den „Culture.Walks“: Von sehr gelangweilt nach einer nicht besonders gelungenen, zu „textlastigen“ Führung bis hin zu intensiven Diskussionen bereits während des „Culture.Walk“ und auch danach. Wie oft bei Kulturangeboten kann man die Qualität und die Eignung für die Zielgruppe oft erst im Nachhinein abschätzen.

Welchen Anspruch hat Ihr Verein selbst an das Projekt?
Als Verein von ÖstereicherInnen und MigrantInnen, dessen zentrales Anliegen die interkulturelle Verständigung ist, wollen wir diese mit dem Projekt fördern. Vor allem möchten wir Anregungen für unsere „alltäglichere“ Arbeit wie etwa die Vermittlung von Computer- und Medienkompetenzen, sowohl auf inhaltlicher Ebene als auch durch gemeinsame Erlebnisse als Gruppe, mitnehmen.



Ralph Aichinger ist Mitgründer von Pangea, eine multifunktionale und multikulturelle Medienwerkstatt, die 2002 als Projekt des Kulturvereins Medea ins Leben gerufen wurde.
Pangea wird seit 2005 als eigenständiger Verein, zum Teil von ehemaligen NutzerInnen, geführt. Die interkulturelle Medienwerkstatt befindet sich im Zentrum von Linz, wo junge AsylwerberInnen, Flüchtlinge, MigrantInnen der ersten und zweiten Generation und ÖsterreicherInnen einander begegnen.
www.pangea.at/

 

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Ihre Ansprechpartnerin für alle Fragen zu den Printmedien und zur Interviewreihe ist
Mag. Ursula Hilmar
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