Kreuz 05. May 2010 - 08. November 2010
"Es ist das Kreuz, das den Sinn ergeben könnte"
In den historischen Räumen des Frauenbades, in einer Architektur, die mit ihren Badebecken und Umkleidekabinen auf die einstige Nutzung als Heilbad hinweist, ist nun das Werk von Arnulf Rainer eingezogen.
Wir sehen in diesem für den Kunstbereich gänzlich unerwarteten Raumgefüge eine plurale Präsentation des Kreuzes.
Kreuze und Kruzifikationen durchziehen das gesamte Werk des Künstlers, nicht als ein Kernthema, aber doch mit stets gegenwärtiger Möglichkeit erneuten Zugriffs, des unablässigen Ringens um eine omnipräsente Form.
Religiösen Dimensionen, theologischen Erwägungen weicht Arnulf Rainer aus. Er will keine sakrale Malerei fertigen. Die Kreuze und Kruzifikationen Arnulf Rainers sind unter dem Aspekt der elementaren Sinnlichkeit des Malaktes zu deuten, den sie zu perpetuieren suchen.
Der Dialog zwischen Bild und Raum, zwischen Farbe und Zeichen, zwischen dem Kreuz und der Spiritualität verströmenden Malerei setzt vielfältige Assoziationen frei.
Das farbige Kreuz über dem Wasserbecken ist seit dem frühen Christentum aus Baptisterien vertraut, wo sich Kreuzeszeichen und Wasser zu lebensspendender Wirkung verbinden.
Das Kreuz über dem Quell ewigen Lebens ist in der Weltlichkeit der Präsentation des Frauenbades jedoch nur mehr zu erahnen, will sich weder in den Vordergrund drängen, noch einer mystischen Deutung unterziehen lassen.
Die museal präsentierten Kreuze hier sind Spuren eines Schaffensprozesses über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg. Und so ist es ausdrücklich nicht der zweifache doctor theologiae honoris causa sondern der Maler, der die Bedingungen und Wirkungen seiner Malerei überdenkt, als er 1992 im Gespräch gegenüber P. Friedhelm Mennekes äußerte: „Es ist das Kreuz, das den Sinn ergeben könnte.“
Kurator Prof. Dr. Reinhold Baumstark